Anja Marschall

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Lesung am Freitag, den 14. Dezember um 20 Uhr

Eintritt: Lyra Mitglieder 8.- Vorverkauf 10.- Abendkasse 12.- Euro

Anja Marschall

Anja Marschall lebt und schreibt in Schleswig-Holstein, wo sie seit mehreren Jahren als Publizistin arbeitet.

Fortunas Schatten

Glückstadt an der Elbe, 1894 Er hat alles verloren: Sein Schiff, seine Mannschaft, seinen Ruf. Kapitän Hauke Sötje steht vor dem Nichts. Ein ehrenvoller Tod scheint ihm der einzige Ausweg aus einer gescheiterten Existenz doch zuvor will er in der Hafenstadt Glückstadt eine alte Schuld begleichen. Dabei wird er in einen Mordfall verwickelt. Einzig Sophie, die Tochter eines angesehenen Bürgers der Stadt, glaubt an ihn und seine Unschuld. Als Feuer und Intrigen die Stadt bedrohen, erkennen beide, wer Freund und wer Feind ist.


Rezensionen

Das meint Histo-Couch.de: „Könnte der Start in eine erfolgreiche Serie sein“

von Jörg Kijanski

1894. Vor einem Jahr sank die Revenge, der ganze Stolz von Kapitän Hauke Sötje. Warum das Schiff sank, weiß Hauke bis heute nicht. Auch ist ihm rätselhaft, warum alle Besatzungsmitglieder starben und nur er überlebte. Kurz vor der Fahrt wurde ihm eine Kursänderung befohlen, doch das entsprechende Schreiben ging mit dem Schiff unter und so kam es zur Anklage vor Gericht wegen Totschlags in 53 Fällen. Durch das Eingreifen von Graf von Lahn kommt es zu einem Freispruch aus Mangel an Beweisen. Hauke selbst hat zu diesem Zeitpunkt bereits mit seinem Leben abgeschlossen, zu sehr bedrücken ihn die Geschehnisse und so fährt er nach Glücksstadt, um sich dort von seiner zwischenzeitlich verstorbenen Frau zu verabschieden, bevor er den Freitod suchen will.

In Glücksstadt gerät er jedoch umgehend in Handgreiflichkeiten und findet sich im Gefängnis wieder. Erneut ist von Lahn zur Stelle, fordert allerdings eine Gegenleistung ein. Die örtliche Heringsfischerei ist im Aufbau und soll auf Wunsch des deutschen Kaisers mit vier Schiffen auf Fang gehen, wobei es dem Kaiser allerdings weniger um den Fisch geht als vielmehr um die Beobachtung der französischen und englischen Küsten. Die neu entstandene Gesellschaft erlebt einen riesigen Zuspruch in der Stadt, jeder, der Geld übrig hat, zeichnet Aktien, und dennoch will es nicht recht voran gehen. Immer wieder kommt es zu seltsamen Zwischenfällen, so dass von Lahn einen Saboteur am Werk wähnt. Darum bittet er Hauke, sich in der Gesellschaft umzuhören und den fraglichen Störenfried zu finden. Kurz darauf drohen sich die Ereignisse in der Stadt zu überschlagen … Ansprechende Atmosphäre

Anja Marschall hat einen ebenso kurzen wie unterhaltsamen historischen Kriminalroman geschrieben, der zum Ende des 19. Jahrhunderts spielt. Hauke Sötje, ein gescheiterter und lebensmüder Schiffskapitän, gelangt also nach Glücksstadt, wo seine Frau beerdigt wurde. Eigentlich will er sich nur verabschieden, doch seine Vergangenheit holt ihn in Person von Graf von Lahn ein. Er schuldet ihm einen Gefallen und wird letztlich zu einer Art Sonderermittler, was den Grundstein für eine Serie begründen könnte. Trotz der Kürze des Romans gelingt es der Autorin, eine ansprechende Atmosphäre zu schaffen, so dass man sich in Ansätzen in die damalige Zeit hineinversetzen kann. Allerdings wäre hier sicher mehr möglich gewesen. Es ist halt immer wieder das schwierige Unterfangen, gleichzeitig historische Atmosphäre, lebendige Figuren und dann auch noch eine flüssige und stichhaltige Handlung aufzubauen. Dass dies alles zusammen auf rund 270 Seiten nicht immer hundertprozentig gelingt, ist verständlich, und so bleiben insbesondere die Nebenfiguren reichlich blass beziehungsweise klischeehaft, was insbesondere am Beispiel des Reviervorstehers Rübcke festzustellen ist.

Die Handlung, über die hier nicht zu viel verraten werden soll, ist spannend und (fast) selbstverständlich erfahren wir auch, wie es zum Untergang der Revenge kommen konnte. Was überraschenderweise fehlt ist die bei historischen Romanen ja meist schon obligatorische Liebesgeschichte, aber immerhin lernt Hauke die Tochter eines in der Stadt nicht unumstrittenen Unternehmers kennen, die bislang nicht den richtigen Mann finden konnte. Das alles hört sich gegen Ende des Plots danach an, als arbeite die Autorin gedanklich schon an einer Fortsetzung. Dem keineswegs unsympathischen Protagonisten wäre ein weiterer Fall durchaus zu gönnen und so ist es wohl kein Zufall, dass Hauke nach dem Finale einen Job bei der Kriminalpolizei in Aussicht gestellt bekommt. Den positiven Gesamteindruck runden ein Personenregister, ein Glossar, Literaturhinweise und zwei Kartenausschnitte ab.


shz:

Glückstadt. Kapitän Hauke Sötje kehrt als gebrochener Mann nach Glückstadt zurück, nachdem sein Schiff unter ungeklärten Umständen samt Mannschaft vor England untergegangen war. Sötje steht vor dem Nichts. Ein ehrenvoller Tod scheint ihm der einzige Ausweg aus einer gescheiterten Existenz. In Glückstadt bekommt er unverhofft die Chance, den Verantwortlichen seiner persönlichen Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen, als er plötzlich in einen Mordfall verwickelt wird. Nur Sophie Struwe, die Tochter eines angesehenen Bürgers der Stadt, glaubt an ihn und seine Unschuld. Als Feuer und Intrigen die Stadt bedrohen, wird klar, dass Glückstadt in einem großen politischen Spiel des Kaisers Wilhelm II eine wichtige Rolle zukommt.

Von dieser Geschichte handelt "Fortunas Schatten", der erste historische Kriminalroman von Anja Marschall, der im Märze erscheint. Im Buch der Wewelsflether Autorin finden sich viele tatsächliche Begebenheiten aus der Geschichte der Stadt, die sie mit der fiktiven Kriminal- und Spionagegeschichte elegant verwoben hat. Da werden die Leser Zeugen, wie die Glückstädter Heringsfischerei gegründet und der erste Logger auf der Gehlsen-Werft gebaut wird oder sie sind Gäste bei einer Lesung des noch jungen Fritz Lau im Brockdorff-Palais. Auch ein wenig gemütlicher Blick in den Bullenstall, dem damaligen Gefängnis hinterm Rathaus, wird geboten. Und die Leser werden Zeugen, wie die Menschen verzweifelt versuchen, ihre Stadt vor einem Feuer zu retten.

Anja Marschall recherchierte und schrieb über drei Jahre an dem Buch und lässt darin historische Persönlichkeiten der Stadt zu Wort kommen. So finden sich neben Detlef Detlefsen auch Medizinalrat Halling und Bürgermeister Brandes wieder, die allesamt wichtige Nebenrollen in dem Buch spielen. Ebenso faszinierend ist, dass "Fortunas Schatten" zu einer Zeit spielt, deren Häuser und Straßen heute noch direkt erfahrbar sind. Hilfreich sei zudem gewesen, so die Autorin, dass sie beim Recherchieren auf ein bemerkenswert umfangreiches Stadtarchiv zurückgreifen konnte. Anja Marschall lobt ausdrücklich die Hilfsbereitschaft des Teams vom Detlefsen-Museum, wo das Stadtarchiv untergebracht ist. In tagelangen Recherchen konnte die Autorin in alten Zeitungsausgaben der "Glückstädter Fortuna" lesen, aus denen Ausschnitte von 1894 zitiert werden.

Auf die Frage, wie sie auf die Idee kam, einen historischen Kriminalroman über Glückstadt zu schreiben, meint Anja Marschall: "Eigentlich ist Hans-Peter Wirsing Schuld. Er empfahl mir damals das Buch von Dr. Köhn über die Heringsfischerei. Dann erzählte er mir viele Anekdoten über die Stadt und ihre Heringsfischerei. In meinem Kopf entstand plötzlich eine spannende Geschichte rund um die Anfänge der Gesellschaft rund um das 19. Jahrhundert in Glückstadt." Dem verstorbenen Maler Wirsing widmet die Autorin auch gleich eine Person in ihrem Kriminal roman. Der Freund des Kapitäns, Theodor Winsmann, ist Künstler und wohnt nicht rein zufällig dort, wo Wirsing auch gewohnt hat. "Allerdings ist der Künstler Winsmann meiner Fantasie entsprungen und mitnichten die Charakterstudie dieses großen Sohnes der Stadt." Der Roman "Fortunas Schatten" ist ein akkurates, sensibles Buch über die Geschichte von Menschen und Stadt, gemischt mit einem aufregenden Krimi. "Fortunas Schatten" (350 Seiten) erscheint im März im Dryas Verlag, Frankfurt, und kostet 12.90 Euro. Ab sofort ist "Fortunas Schatten" direkt beim Verlag bestellbar oder - als signiertes Exemplar - in der Bücherstube am Fleth.