Dragseth

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Bei Lyra am Freitag, den 16. November um 20 Uhr

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Dragseth

Schon auf früheren CDs haben Manuel Knortz und Kalle Johannsen unter Beweis gestellt, dass Volksmusik eigentlich alles ist nur nicht das, was dafür gehalten wird. In seinem neuen Album The promised shore geht das Dragseth Duo im Kreise einer illustren Schar von Musikern noch einen Schritt weiter. Als Hommage an die anglo-amerikanische Folk-Tradition gedacht, schlug das Werk im Laufe seines Entstehungsprozesses auch bei Knortz und Johannsen Saiten an, die letzten Endes auf eine bunte Mischung aus eigenen und fremden Stücken hinauslief. Wunderbar ihre Interpretation der Dire-Straits-Hymne Sailing to Philadelphia unterlegt mit Orginaltönen des unvergessenen Norddeich-Radios, oder Bruce Springsteens Parabel auf ein Amerika, das sich fortschreitend jenes Fundaments beraubt, dass es groß gemacht hat auch ohne Großmacht sein zu müssen: The ghost of Tom Joad. Kein Schmaus für Ohren, die nicht hören, sondern nur wiedererkennen wollen, ihre Versionen von Mien Leevste oder My Bonnie. Aber deshalb nicht weniger zauberhaft als die von Jens Jesse gesungene irische Ballade The Water is wide. Kurzum: Das verheißene Ufer liegt vor der Haustür und das Haus ist Teil der Welt. Ein wohltuendes Album, das auch große Konkurrenz nicht zu scheuen braucht.

Stää un Stünn

Kann es sein, dass Intimität nichts mit der Anzahl der Personen zu tun hat?

Manuel Knortz und Kalle Johannsen zucken mit den Achseln und schmunzeln: "Auf jeden Fall ist ,Stää un Stünn' (Ort und Stunde) unser bislang intimstes Album", bekennen die Gründungsväter von "Dragseth". Und das, obgleich sie nicht mehr zu zweit, sondern zu viert musizieren. Doch etwas anderes ist geblieben: "Wenn wir uns einmal wöchentlich mit Jens Jesse und Gerd Beliaeff treffen, wird zunächst gegessen, getrunken und geredet", berichtet Johannsen. "Da können schon mal zwei, drei Stunden ins Land gehen." Schönes Bild: Gedanken-Spaziergänge...

"Früher haben wir uns für unsere Alben immer Leute dazugeholt", erläutert Knortz. "Die gingen hinterher wieder. Aber die hier bleiben ja", sagt er lächelnd in Richtung Jesse und Beliaeff. Und das ist auch gut so, denn mit ihren spezifischen Stärken haben die beiden nicht nur das musikalische Repertoire der Band erweitert. "Diese Kontinuität hat eine gewisse Vertrautheit geschaffen. Eine Vertrautheit, die sich auch in ,Stää un Stünn' niederschlägt." Wie der Name schon sagt, geht es um das Hier und Jetzt, um die Magie des Augenblicks.

Manuel Knortz nimmt diesen Gedanken im Titelsong des Albums auf: "Eine romantische Szene im Garten", blickt er auf dessen Entstehung zurück. "Die Heroen deiner Kindheit sind wieder da, und plötzlich merkst du, dass dies alles von einer einzigen Person ausgeht, jenem Menschen, mit dem du da unter der Weide sitzt."

In diesem, aber auch in vielen Songs des Albums geht es um die Empfindung des Glücks - "in dem Moment, wo es da ist". Jeder der vier Musiker hat dazu auf seine Weise beigetragen. So schrieb Kalle Johannsen "Nachtleed" als Abschiedslied für seine sterbenskranke Mutter und ist glücklich, dass sie es vor ihrem Tod noch einmal gehört hat.

"Stää un Stünn" entwickelt diese besondere Intensität aber auch dort, wo sich "Dragseth" fremder Texte bedient. "Weil vieles von dem, was diese Lieder erzählen, auch uns passiert ist", erklärt Johannsen.

Dass es ein plattdeutsches Album werden würde, stand für die vier Musiker schon lange fest. Mehr als einmal hatten Knortz, Johannsen und Jesse dafür im Hausbuch niederdeutscher Lyrik geschmökert. Dort fanden sie auch einen Text, den die Ostholsteiner Lyrikerin Marie Harder in den 1920er-Jahren geschrieben hat und aus dem der Song "Du" hervorging. Und manchmal spielte sogar Kollege Zufall mit, zum Beispiel bei der Übersetzung eines Stücks von James Taylor, "das auf Hochdeutsch einfach nicht gelingen wollte, aber auf Platt war plötzlich alles ganz einfach".

Der Zauber, von dem die Musiker erfüllt waren, als sie die elf Perlen für "Stää un Stünn" schrieben und entwickelten, überträgt sich dann auch hautnah auf den Zuhörer. Kaum mehr zu hören, dass so ein Album - wie alle Kunst - nicht nur schön ist, sondern auch viel Arbeit macht, zumal Sönke "Kiki" Kirchner beim Abmischen alles gegeben hat. Es gibt Musiker, die finden Songs. Bei Dragseth hat man bisweilen den umgekehrten Eindruck.

Rüdiger Otto von Brocken, Husumer Nachrichten

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