FreiGELASSEN
Aus Lyra
Am Freitag, den 2. März 2012 um 20 Uhr
Eintritt: Lyra-Mitglieder 8.- Vorverkauf 10.- Abendkasse 12.- Euro
Inhaltsverzeichnis |
Ingo Schmitz und Birte Jeß
Ingo Schmitz und Birte Jeß stellen in ihrem Buch "freigelassen" persönliche Erfahrungen mit einem Burn-out einigen Reisegeschichten gegenüber, die sie in zweieinhalb Jahren auf sechsundsiebzigtausend Kilometer von Alaska bis Feuerland erlebt haben: Diebe in den Rocky Mountains, Cannabis als Wandermarkierungen in Mexiko oder gegrillte Meerschweinchen in den Anden. "Ein Burn-out, eine Reise, viele Erlebnisse", bringt das Autorenpaar den Inhalt des Buches auf den Punkt.
In ihrem Debütwerk beschreiben sie aus wechselnden Perspektiven, wie ihnen die Reise half - mit Abstand zum Job, zum deutschen Alltag und vor allem zu sich selbst - wieder den Blick fürs Wesentliche zu schärfen. "In Begegnungen mit fremden Menschen und Kulturen entdeckten wir faszinierende Parallelen, aber teilweise auch auffallende Gegensätze. Vieles davon eröffnete uns eine Klarheit und eine verborgene Logik, für die wir zuvor blind gewesen waren. Es gab Erlebnisse, die im queren Wohlstandskopf vieles wieder an die richtige Stelle geschoben haben", fasst es Ingo Schmitz zusammen, der als vierzigjähriger Vertriebsvorstand eines mittelständischen Unternehmens mit der Diagnose Burn-out konfrontiert worden war. "Plötzlich gehörte ich zur ausgebrannten Generation iBurn-out. In kürzester Zeit von der beruflichen Überholspur ohne Tempolimit ins Kiesbett." Daraufhin nahmen er und seine Partnerin Birte Jeß sich eine zweieinhalbjährige Auszeit und zogen aus einer Hamburger Wohnung an der Elbe in einen Camper auf dem amerikanischen Kontinent.
Ihre Reise taufen sie freigelassen: Eine doppeldeutige Wortspielerei, die ihren Wunsch nach Freiheit und mehr Gelassenheit ausdrückte. Ihr gleichnamiges Buch "freigelassen" erzählt ehrlich und mit einer Prise Selbstironie von den Erfahrungen mit einem Burn-out, aber auch von den unerwarteten Chancen eines selbstbestimmten Lebens.
Ingo Schmitz und Birte Jeß freigelassen - iBurn-out: Zeit fürs Wesentliche. Eine Reise in die Gelassenheit von Alaska bis Feuerland.
Ingo
rheinländische Frohnatur, Jahrgang 1965: Fahrradblumenkurier, joggender Barkeeper, Moskitonetzbauer für Afrika, türkischer Lederstanzer, Hobby-Möbelbauer, Gabelstapler-Rennfahrer, Sportversessener, Playboy- und Telefonbuchdrucker, Bauarbeiter-Anstreicher-Fliesenleger, kein Prädikatsabitur, Kurzzeitbehinderter nach Autounfall, InterRail, im Gepäcknetz durch Europa, aufmüpfiger Bundeswehr-Sanitäter, geliebter Skilehrer, unerwartete Hochschulleuchte, Tutor für Zahlenlehre, Diplom-Kaufmann, Produktplaner und -tüftler, Spontankoch, Marketingchef, Vorstand, Burn-out, Reisender.
Birte
seekrankes Nordlicht, Jahrgang 1972: Regalpackerin im Supermarkt, Realschulabschluss, schulischer Spätzünder, Schlammsuhlerin auf Musikfestivals, Wirtschaftsabitur, Fließbandarbeiterin, Studium, Tankstellenverkäuferin, Studentenparty-Planerin, Babysitterin und Fremdsprachenlegasthenikerin in den USA, Bierverkäuferin auf Musikkonzerten, Auslandsstudium im Tulpennachbarland, Hochschuldiplom und europäischer Master, kurze Spanienverliebtheit, Mutti von Promotionsdamen, EXPO im eigenen Land, Bier-Sponsor, Plänemacherin für Gäule, Wegweiserin für Festivallokusse, Reisende.
Burn-out
Burn-out ist eine Krankheit? Man sieht doch nichts - keinen Verband, kein Gips, kein Blut und keine Narben und doch: wie krank können Psyche und die Seele sein! Die Odyssee von Arzt zu Arzt und von Therapie zu Therapie kann ebenso grausam sein wie die Krankheit selber. Das vorliegende Buch beschreibt eindrucksvoll und farbig den leidvollen Weg eines Menschen von dessen gesundheitlichem Absturz im Stressalltag bis zur Heilung.
Eine mehrjährige Reise zu und in die Genesung.
Dies alles gewürzt mit augenzwinkernder Ironie und Humor, mit vielen An- und Einsichten die das Leben aus anderen Perspektiven beleuchten. Ein frisches Buch, unkonventionell aufgemacht und lesenswert, eine spannende Geschichte von Besinnung und Neuanfang, von Orientierung aus dem Sumpf der Krankheit zu neuen Zielen und dem Glück einer liebevollen Partnerschaft.
Die ersten Wochen mit unserem Buch
Ein Briefumschlag liegt morgens in unserem Briefkasten. Es ist ein normaler, weißer Umschlag. An Ingo und mich adressiert. Beim Lesen des Absenders stutzen wir, denn die Absenderin ist eine flüchtige Bekannte, die wir zuvor erst zweimal in unserem Leben getroffen haben. Dass dieses Schreiben etwas Besonderes ist, bemerken wir beim Aufreißen des Umschlags. Es ist ein handschriftlicher Brief und fängt mit der Ansprache an: Liebe Birte, lieber Ingo… Ich beginne Ingo laut vorzulesen. Die schön geschwungenen Linien der einzelnen Wörter fließen über vier Seiten. Ein falsch geschriebenes Wort ist sauber durchgestrichen und macht den Brief für uns nur noch persönlicher. Kein „delete, copy oder paste“, sondern Schwarz auf Weiß. Unveränderlich. Im Brief beschreibt sie ihre Empfindungen beim Lesen des Buches. Es sind Gefühle, die diese nahezu Unbekannte in Minuten zu einer Art Seelenverwandten werden lässt. Sie hat nicht nur unsere Erfahrungsberichte gelesen, sondern sie empfunden. Sie teilt ein Stück weit die gleiche Gedanken- und Gefühlswelt. Ingo und mir stehen am Ende des Briefes Tränen der Rührung in den Augen. Genau dies ist der Grund, warum wir das Buch geschrieben haben. Für sie, für andere und vor allem für uns selbst.
Ich (Birte) stehe vor dem Postschalter und erkundige mich nach den Preisen und Bestimmungen für „Büchersendungen“. Schließlich wollen wir unsere Kunden nicht gleich mit einer Nachzahlung vergrätzen. Der mir gegenüberstehende Beamte lächelt mir schelmisch zu: „Wenn Sie die Autorin sind, dann würde ich auch ein Buch käuflich erwerben.“ Jaaaa, denke ich im Stillen und balle die Fäuste. Ein Exemplar ist zumindest theoretisch schon mal verkauft- acht Wochen vor Fertigstellung. Als Ingo und ich dann mit den ersten Bücherkartons in einer Holzkiste mit der Aufschrift „Wein aus deutschen Landen“ auf unserer alten italienischen Vespa vor der Post parken und freudestrahlend die vielen Bestellungen auf den Tresen legen, schmunzelt genau dieser freundliche Postmitarbeiter wieder. „Haben Sie auch ein Buch für mich dabei?“ Als ich stolz wie Oskar nicke, schiebt er noch nach: „Aber bitte mit einer Widmung von Ihnen.“ Was schreibt eigentlich ein Autor als Widmung in seine Bücher?, frage ich mich jetzt leider das erste Mal. Ich schreibe schließlich mit ungeübter Hand die ersten persönlichen Worte auf die erste, rote Seite des Buches. Der Anfang ist gemacht. In den nächsten Tagen folgen viele aufmunternde Tipps von ihm. Er schneidet mir Zeitungsartikel aus, worin andere Autoren erwähnt werden. „Ich bin jetzt schon mit Ihnen in Mexiko.“ Und er entschuldigt sich, wenn er einen Tag mal keine Zeit zum Lesen findet. Mein täglicher Gang zur Post wird zum liebgewonnenen Ritual bis er mir eine Abschiedsmail schickt, in der er seine Versetzung in eine andere Stadt mitteilt und mir alles Gute wünscht. Der für mich besondere Postmann ist plötzlich weg und meine Antwortmail kommt mir dem Vermerk „nicht zustellbar“ zurück.
Unser Buch kann- mit einer ISBN-Nummer versehen und im Verzeichnis lieferbarer Bücher registriert- theoretisch bundesweit von Buchhändlern bestellt werden. Praktisch wird dies kaum praktiziert, denn die Mehrzahl der Händler bedient sich des Bestellsystems der Buchgroßhändler. Es wird das ausgeliefert, was diese in ihrem Sortiment für gut befinden und als wirtschaftlich lohnenswert erachten. Ansonsten klaffen Lücken zwischen dem tatsächlichem Bücherangebot und dem selektierten. Wir freuen uns dementsprechend euphorisch über die Buchbestellungen eines jeden engagierten Buchhändlers, der weiß wie man einen Telefonhörer in die Hand nimmt oder eine Mail schreibt. Unsere überschwängliche Einsortierung dieser Geschäftspartner in die „gute Schublade“ müssen wir leider revidieren, als deren Rechnungsüberweisungen eintrudeln: die Mehrwertsteuer fehlt und die Versandkostenpauschale- scheinbar korrelierend- auch. Nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist. Und so stammeln die Verantwortlichen bei unserer Rückfrage peinlich ertappt ins Telefon, dass da wohl versehentlich ein Fehler unterlaufen sei. Fehler sind ja allzu menschlich, denken wir. Oder macht genau diese Art des Geschäftsgebarens in der Buchbranche uns Menschen aus? Wir sind trotzdem zuversichtlich.
Verlag
Eine Kugel stößt die nächste an
Wir sind ein neugegründeter, kleiner Verlag mit all seinen Vorteilen, aber auch Besonderheiten. Manchmal stößt eine Kugel die nächste an, ohne dass man die Richtung oder Auswirkungen vorher abschätzen kann. So war es bei uns: alles begann mit Ingos Burn-out, ging weiter mit der zweieinhalbjährigen Reise und endet nicht mit der bloßen Rückkehr. Wir schlagen vielmehr mit unserem Verlagsprojekt eine spannende neue Richtung ein. Der eigene Verlag und die selbständige Publizierung unseres Buches sind die konsequente Weiterführung dessen, was wir mit der Reise begonnen haben: selbstbestimmt, ehrlich, frei und gelassen.
Herzlichst, Birte Jeß und Ingo Schmitz vom
- freigelassen Verlag
- Im Kirschfeld 4b
- 54470 Bernkastel-Kues
- verlag@freigelassen.com

