Hannelore Hoger

Aus LYRA
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Copyright: Jens Rusch


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Foto: Sabine Kolz

Hannelore Hoger las bei uns am 11. November 2011 bereits zum zweiten Mal.

Hannelore Hoger während ihrer Lesung bei Lyra am 27.09.2007


„Sie ist rigide selbstbewußt, wohl nur schwer zu haben fürs weniger Attraktive (was sie, die sich als Ensemblespielerin versteht, heftig bestreitet), sie gilt als 'schwierig', eine intelligente Diva. […] Als Schauspielerin ist die Hoger eine Entdeckerin, Verführerin, deren wache Neugier auf Figuren ansteckt. Anstiftet. […] Sie blieb als Regisseurin die erfindungsfreudige Beobachterin, die neugierige Entdeckerin, die sie als Schauspielerin war und ist, eine Phantasie freisetzende, anspornende Virtuosin des Schauspiel(er)handwerks.“ – Eckhard Franke: Theater heute


Hannelore Hoger ist eine der vielseitigsten und wandlungsfähigsten deutschen Schauspielerinnen, erfolgreich in zahllosen Bühnen-, Film- und Fernsehrollen sowie als Regisseurin. Sie ist nicht nur eine Meisterin des intensiven Ausdrucks, sondern auch eine Komödiantin par excellence. Von 1972 bis 1980 war sie am Schauspielhaus Bochum engagiert, wo sie eng mit Peter Zadek zusammenarbeitete; Gastspiele an allen namhaften deutschsprachigen Bühnen folgten. Als Film- und Fernsehschauspielerin wurde sie in Produktionen bekannt, die Geschichte machten (u.a. „Die Artisten in der Zirkuskuppel - ratlos“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Die zweite Heimat“). Für ihre überaus erfolgreiche Rolle als Kommissarin „Bella Block“ (fast sieben Millionen Zuschauer pro Folge) erhielt sie den Grimme-Preis in Gold, den RTL-Fernsehpreis „Goldener Löwe“ und die „Goldene Kamera“. Parallel dazu hat sich Hannelore Hoger auch als hinreissende Rezitatorin einen Namen gemacht.


Bei Lyra wird sie einige Märchen von Oscar Wilde vortragen, die zu den schönsten Kunstmärchen der Welt gezählt werden: „Die Nachtigall und die Rose“, „Der eigensüchtige Riese“ und „Der Geburtstag der Infantin“. Der Pianist Siegfried Gerlich, Klavierbegleiter u.a. auch von Eva-Maria Hagen, umrahmt die Lesung mit Musik von Claude Debussy.



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2007

Zu Gast bei Lyra:

Eine Begegnung und Lesung mit Hannelore Hoger

Von Stefan Schmid

Brunsbüttel – Einen besseren Auftakt für die neue Lyra-Veranstaltungssaison konnte es am Donnerstagabend in der Galerie Rusch nicht geben. Alle Plätze waren ausverkauft und jede Minute der 90-minütigen Lesung ein Hörgenuss. Dafür sorgte die bekannte Schauspielerin Hannelore Hoger. Sie las aus Abschiedsbriefen berühmter Frauen. Vor der Lesung zieht sich Hannelore Hoger in ein Zimmer im oberen Stock der Galerie zurück. Die beliebte „Bella Block“-Darstellerin trägt ein schwarzes Kleid und einen dunkelbraunen Blazer. Sie hat es sich in einem Sessel gemütlich gemacht und die Beine hochgelegt. Ihre schwarzen Pumps hat sie abgestreift. Sie ist erkältet und wirkt müde, aber ihre Augen sind hellwach. Sie sei gegenwärtig nicht auf Lesetournee, der Termin heute sei der einzige der Woche, erzählt sie. Zu ihrem Lieblingsprogramm gehören normalerweise Edgar Allen Poe und RobertWalser. „Im nächsten Jahr gehe ich mit Kurt Tucholsky auf Tour.“ Aber heute Abend will sie Abschiedsbriefe berühmter Frauen vorstellen. Sie erzählen – wie der Untertitel des von Sibylle Berg herausgegebenen Buches „Ich dachte, es sei Liebe“ lautet – vom Verlassen und Verlassenwerden. Die Liebesschmerz-Dokumente seien zum Teil gar nicht so traurig, wie man vermuten würde, betont die Schauspielerin. „Es dreht sich um Abschied, ja, aber der ist nicht immer tragisch.“ Die Briefe an die Verflossenen stellten auch immer ein Stück Emanzipation der betroffenen Frauen dar, sagt Hannelore Hoger. Mag sie einen Brief besonders? „ Ja, den von Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn.“ Oder auch der von Marlene Dietrich an Erich Maria Remarque (1945) gefällt ihr. Dann ist es 20 Uhr, die Vorstellung beginnt. Zusammen mit ihrem Pianisten Siegfried Gerlich, der mit Klaviersonaten von Schumann, Debussy und Chopin die Lesung begleiten und deren Thema musikalisch aufnehmen wird, betritt Hannelore Hoger den Veranstaltungsraum. Mehr als 80 Zuhörer warten hier schon gespannt auf sie, darunter viele weibliche Gäste. Die meisten von ihnen sind nur wegen des Fernsehstars gekommen. Die steigt auf das vom Publikum eingekesselte Podium und taucht nach einer herzlichen Begrüßung gleich ab in die Welt des bitteren Herzschmerzes. Die rothaarige Schauspielerin stellt 14 Briefe ganz unterschiedlicher Frauen vor – unterbrochen wird die Lesung nur von einer kurzen Signierpause am Büchertisch der Buchhandlung Schopf. Alle Briefe haben eins gemeinsam: In allen geht es um das große Thema dieser irdischen Existenz – um die Liebe. Und die bedingt naturgemäß sämtliche Aggregatzustände menschlicher Emotions- und Leidensmomente: Glück, Schmerz, Wut, Hass, Sehnsucht, Flehen, Spott. Das Herz fühlt sich dann schon mal an „wie ein widerlich weicher Pudding“ (Simone de Beauvoir an Nelson Algren, 1950) oder verlangt nach „seelischen Leberwurstbroten“ (Marlene Dietrich an Remarque,1945) oder ähnelt gar einem Großfeuer: „Ich bin bis auf die Grundmauern abgebrannt.“ (Rebecca West an H.G. Wells, 1913). Liebe ist natürlich ein „Experiment“ (Dorothy L. Sayers an John Cournos, 1924) und „immer ein Wagnis“ (Ruth Schweikert an X, undatiert) und kann ganz schnell zur „Hölle“ (Sayers) werden, zu einem ätzenden Lösungsmittel, das alle feste Koordinaten auflösen lässt. Das Ende einer Liebesbeziehung schließlich ist auch ein existenzielles Scheitern: „Doch Menschen wie ich schwingen sich von einer Leidenschaft zur nächsten, und wenn sie danebengreifen, zerschmettern sie irgendwo, wo überhaupt keine Leidenschaft ist, sondern nur leere Bretter und Sägemehl.“ (Rebecca West) Aus der „Wut, verraten worden zu sein“ (Ruth Schweikert) kann Hass werden oder eine Verletzbarkeit, die in Trotz umschlägt und sich befreiend ihren Weg sucht: „Ob meine Liebe waschecht ist? Fort mit ihr, sie ist mir ein unnötiger Ballast – zeit- und launenraubend." (Alma Mahler-Werfel an den Maler Gustav Klimt, 1899) Alle Abschiedsbriefe stellen ein Stück literarisches und individuelles Vermächtnis dar. Doch erst durch die ausdrucksstarke und einfühlsame Interpretation Hannelore Hogers gewinnen die unterschiedlichen Stimmen aus der Tiefe des weiblichen Ichs an Kontur und Farbe. Kein Wunder, dass das Hörbuch, auf dem die Fernsehkommissarin zusammen mit Sophie Rois liest, am Verkaufstisch gefragt war. Fast zwei Stunden lang ging es um Abschied – der fiel den Zuhörern von Hannelore Hoger am Ende schwer. Aber sie hatte Trost parat, versprach, wiederzukommen. Hoffentlic