Jan Weiler

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Rückblick

Lyra-Lesung am 18. November 2010


Emphatisch und voller Hingabe an die selbstgeschaffenen Figuren entwuchs der Lesung in der randvollen Galerie Rusch in Brunsbüttel ein kurioses Sittengemälde von kafkaeskem Tiefsinn. Jan Weiler modifizierte seine bekannten Charaktere, wie etwa den vielfältig auslotbaren italienischen Gastarbeiter Antonio Marcipane, mit Dialekteinschüben und einer Gestik, die viele der Lesungsbesucher an Harry Rowohlt erinnerten. Ein naiver Macho, dessen Weltsicht- beweglich wie die Alpen, jeglicher Belehrung trotzt, derartig verbal in Stein gemeißelt - das gefiel besonders den weiblichen Weiler-Fans. Die Beobachtung eines "Pubertiers" und surreale Wortschöpfungen im Kinderzimmer machen aus Weiler einen Chronisten der Geschehnisse hinter der sichtbaren Oberfläche. Ob "Pimmelkarate" den Weg in den Duden schaffen mag, bleibt wohl fraglich, aber die weilersche Enzyclopädie wächst zügig zu einem eigenen etymologischen Standardwerk heran. Weiler nimmt die Republik als Fundus, sammelt auch im Randbereich seiner Lesungen Anekdoten und Charaktere und schafft damit sein sympathisches Vexierspielchen einer familiären Kuriositätensammlung mit Migrations-Aspekten. Diese Lesung war durchsetzt mit Lyra-Credo und erfüllte den selbstgestellten Anspruch, die Besten der Lesenden und Schreibenden an den Rand der gerade noch bewohnbaren Welt zu holen. So jedenfalls formulierte es Jens Rusch, der Lyra-Schrittmacher am Rande der Lesung: "Koste es, was es wolle". Dass dieses Engagement eben nicht kostendeckend erfüllt werden kann, erscheint den über 250 ebenfalls Kulturbegeisterten Mitgliedern nach acht Jahren Lyra-Existenz anscheinend inzwischen auch nachvollziehbar. Die Mitgliederentwicklung läßt darauf schließen. Und so erfüllte die Jan Weiler-Lesung so ganz beiläufig auch noch die Funktion eines Qualitätsbausteines. Daß Literatur durchaus Spaß machen kann, ohne in das allgegenwärtige und penetrante Comedy-Genre abzudriften wurde an desem Lesungsabend wieder einmal nachdrücklich unter Beweis gestellt. Um Jan Weiler wird sich der rege Förderverein für Kulturarbeit ganz sicher ein weiteres Mal bemühen müssen.

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JAN WEILER

Jan Weiler wurde 1967 in Düsseldorf geboren. Er arbeitete zunächst als Texter in der Werbung und besuchte dann die Deutsche Journalistenschule in München. Anschließend arbeitete er von 1994 bis 2005 als Redakteur, Autor und schließlich Chefredakteur beim Süddeutsche Zeitung Magazin. 2003 entstand aus einer Kurzgeschichte im SZ-Magazin sein erster Roman „Maria, ihm schmeckt’s nicht.“ Das Buch gilt als das erfolgreichste deutsche Romandebüt der letzten zwanzig Jahre, die Verfilmung lief 2009 erfolgreich mit Christian Ulmen in der Hauptrolle in den Kinos. ("....das ist hier ein Genpool von Wahnsinnigen")
2005 folgte die Fortsetzung „Antonio im Wunderland.“ Seine Bücher gibt es komischerweise nicht auf italienisch, wohl aber auf koreanisch.

Jan Weilers neues Bühnenprogramm enthält die besten Kolumnen der wöchentlichen WAMS-Serie „Mein Leben als Mensch,“ die kürzlich als Buch und Doppel-CD erschien. Da das Personal von „Mein Leben als Mensch“ identisch ist mit jenem der Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Antonio im Wunderland,“ gibt es also auch neue Geschichten über den italienischen Gastarbeiter Antonio Marcipane.

„Ein großartiger Schreiber“ (Hamburger Abendblatt)

„Jan Weiler spielt gewitzt mit Sprach– und Nationenstereotypen“ (DER SPIEGEL)

„Witziger als das Buch ist wohl nur das Hörbuch – gelesen vom Autor persönlich“ (Westfälische Rundschau zu Antonio im Wunderland)

„Jan Weiler lesen macht einfach Spaß.“ (Brigitte)


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"Wir sind sehr angetan vom Grad der Zerknirschung!"



Bibliografie

  • Maria, ihm schmeckt’s nicht (2003)
  • Antonio im Wunderland (2005)
  • Gibt es einen Fußballgott? mit Hans Traxler (2006)
  • In meinem kleinen Land (2006)
  • Land in Sicht, mit Rainer Sülflow (2007)
  • Drachensaat (2008)
  • Hier kommt Max (2009)
  • Das Marcipane Kochbuch mit Corbinian Kohn (2009)
  • Mein Leben als Mensch (2009)

Diskografie

  • Maria, ihm schmeckt’s nicht (2004)
  • Antonio im Wunderland (2005)
  • Gibt es einen Fußballgott? (2006)
  • In meinem kleinen Land (2006)
  • Liebe Sabine (2007)
  • Maria, ihm schmeckt's nicht – Das Hörspiel (2008)
  • Direktübertragung (2008)
  • Drachensaat (2008)
  • MS Romantik (2009)
  • Hier kommt Max (2009)
  • Maria, ihm schmeckt's nicht" (Film-Hörspiel, 2009)
  • Mein Leben als Mensch (2009)


Ein Interview zum Welttag des Buches

Populär geworden ist der Münchner Autor und Kolumnist Jan Weiler mit seinem erfolgreichen Debütroman „Maria, ihm schmeckt's nicht". Es folgten weitere hoch gelobte Publikationen und die wöchentliche Kolumne im stern „Mein Leben als Mensch". Im Zentrum seines aktuellen Bühnenprogramms steht das Reisetagebuch „In meinem kleinen Land" (2006), welches bestrickend amüsant Eigenarten und Facetten deutscher Bürger und Städte unter die Lupe nimmt. Im Interview mit back view spricht er über sein Dasein als Kolumnist und Autor und gewährt einen Einblick in sein neues Buch. Weiter: Backview