Lebens(W)ende

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Eintritt frei Lyra-Kino am Freitag, den 17. August um 19 Uhr 30. Der Regisseur ist anwesend.


Keine Theologen, keine Philosophen wollte der Autor treffen, sondern Künstler, denen er sich nahe fühlte, Künstler, die entweder selbst eine Begegnung mit der eigenen Sterblichkeit überlebt hatten oder die sich ebenfalls mit einer schlechten Lebensprognose konfrontiert sahen. Was passiert mit der Kreativität im Angesicht des Todes? Kann Tod oder Krankheit ein Motor für die Kreativität sein? Was ist es, was zählt, was bleibt, wenn man gehen muss?


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Und am Schluss dieses Films müsste ich tot sein

Ein Mann liegt in einem Operationssaal. 'Das bin ich. Und am Schluss dieses Films müsste ich tot sein', sagt Razvan Georgescu aus dem Off. Schonungslos ehrlich beginnt seine Tour. Der rumänische Dokumentarfilmer erhielt im Alter von Ende 30 die Diagnose: bösartiger Gehirntumor, Lebenserwartung noch drei Jahre. Diese Zeit wollte er nutzen, um an 'magische belebte Orte' zu reisen und Künstler zu treffen, 'die ihre Stimmen gegen Vergänglichkeit erheben'. Daraus entstand der Film 'Lebens(W)Ende - Der Tod und die Kunst' (2007), als Erstausstrahlung bei ARTE zu sehen.

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Tabu-Thema Tod

Es ist eine aufrichtige und deshalb weder pathetische noch knochentrockene noch makabere Auseinandersetzung mit dem Tabu-Thema Tod und der Frage, wie seine Nähe Kreativität beeinflusst. Ja, sie ist sogar unterhaltsam und lebensnah.

'Ich werde diesen Stimmen folgen - bis zum vermeintlichen Ende meiner Zeit. In drei Jahren. Oder bis zum sicheren Ende dieses Films. In 85 Minuten.' Georgescu konnte anfangs nicht wissen, ob er seinen Film fertigstellen würde.

Nach New York, Los Angeles, Venedig, Siena, Düsseldorf und Timisoara in Rumänien reiste Georgescu.


Seine Gesprächspartner waren Künstler

Seine Gesprächspartner waren Künstler, die mit einer schweren Krankheit konfrontiert waren oder sind, oder die sich in ihrem Werk den Themen Leben und Tod widmen. Der Maler Jörg Immendorf, der im Mai 2007 an der Nervenkrankheit ALS starb, gab Georgescu ein letztes großes Interview.

Der Broadway-Komponist William Finn litt an einem Gehirntumor und schuf aus seinem Trauma das schräge Musical 'A New Brain' ('Nervensache'). Der Soziologe und Schriftsteller Helmut Dubiel schrieb ein Buch ('Tief im Hirn'), nachdem er die Diagnose Parkinson erhalten hatte.


Wie der ehemalige Passagier einer Kreuzfahrt fühle er sich, der ins Wasser fiel und das Schiff nun an sich vorüberziehen sieht.

Ihre offen ausgesprochenen, auch immer wieder überraschenden Gedanken, Ängste und die Kraft des Schöpferischen versuchte Georgescu zu illustrieren. Eine Fahrt, ein Flug, pulsierender Verkehr in scheinbar unendlichen Straßenschluchten. Viel Bewegung, kein Stillstand. Dazwischen schnitt Georgescu hart Bilder aus dem Operationssaal - Bohrergeräusche inklusive.

Die symphonische Orchestersuite

Die Musik zum Film kann als Kunstwerk gelten, das von Trauer bestimmt ist. Und hier wird der Film dann doch ergreifend: Die symphonische Orchestersuite stammt von Razvan Georgescus Vater, dem Dirigenten und Komponisten Remus Georgescu.'Lebens(W)Ende' ist eine Collage aus O-Tönen und Bildern, die für sich sprechen. Immer wieder leuchtet dazwischen der Countdown im Bild auf, der bis zum Filmende rückwärts läuft ... und dann wieder bei null beginnt. Georgescu lebt, ließ das 'Verfallsdatum', wie er sagt, hinter sich. Die Frage, die er eingangs stellte - 'Ist Kreativität womöglich unser aller Schutzschild gegen diese Vergänglichkeit?' - könnte ein Stück weit dadurch beantwortet sein, dass er seinen Film nicht nur fertigstellte. Bei zahlreichen Festivals bekam er dafür unter anderem den Prix Europa 2008 als bester Fernseh-Dokumentarfilm.


Broadway-Komponist William Finn litt an einem Gehirntumor und schuf aus dem Trauma das Musical 'A New Brain' ('Nervensache'). © ZDF / Razvan Georgescu