Lyra-Rettungsschirm

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Der Lyra-Rettungschirm

Der 5. Dezember wurde in den Medien der "Tag des Ehrenamtes" ausgerufen. Für Lyra fand an diesem denkwürdigen Tag ungeachtet aller offiziellen Beteuerungen etwas viel Denkwürdigeres statt: Nach zehn Jahren Aufbauarbeit übernahm Dieter Wölfert (rechts) den verantwortungsvollen Posten des ersten Vorsitzenden aus der Hand von Jens Rusch (links).

Beide sind nicht nur Lyra-Aktivisten der ersten Stunde, sondern auch gemeinsam im "Wattikan" aktiv. Die Chemie stimmt also - und das Lyra-Programm kann ohne großartige Veränderungen fortgeführt werden. In der Organisationsstruktur wird jedoch Vieles künftig besser auf mehrere Schultern verteilt werden.

Auch Veranstalter und Interpreten müssen sich auf Veränderungen einstellen.

Den Lyra-Mitgliedern möchte man mehr Solidarität abverlangen, aber das scheint ein langer Weg zu sein.

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Der neue Lyra-Vorstand

Lediglich der zweite Vorsitzende Dietrich Wienecke (zweiter von links) wurde wieder in dieses Amt gewählt. Ganz links: Kassenwart Volker Strunck, ganz rechts Rechtsbeistand des Vereins Kalli Balzer, daneben Schriftführerin Karin Will und in der Mitte der scheidende Vorsitzende Jens Rusch.


Offizielles Grußwort des Bürgermeisters. Zum Vergrößern bitte ins Dokument klicken.


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Bewährungsprobe

Auflösung abgewendet: Kulturverein Lyra bleibt zunächst weiterhin bestehen

Von Hengameh Habib

Brunsbüttel – Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn sich ein Verein auflöst. Meist wird das hervorgerufen durch eine Kombination aus fehlenden aktiven Mitgliedern und eine miserable Kassenlage. Es ist aber sehr ungewöhnlich, wenn ein gesunder Verein vor der Auflösung steht – und vielleicht hatten die Mitglieder von Lyra auch genau aus diesem Grund Bauchschmerzen, alles aufzugeben.

„Durch die Arbeit für Lyra bin ich im Sommer zweieinhalb Monate nicht ins Atelier gekommen“, beschreibt Vorsitzender Jens Rusch sein Dilemma. Er hat den Verein quasi im Alleingang geführt: die Kontakte zu den Künstlern gehen über ihn, die Flyer zu den Veranstaltungen entwirft er, die Internetseite wird von ihm gepflegt, ebenso kümmert er sich um die Hotelbuchungen der Gäste und zusätzlich engagiert er sich gegen den Krebs, sei es mit der Wattolümpiade oder den Krebs-Informationstagen. Es war Zeit, die Reißleine zu ziehen. Rusch informierte im Sommer seinen Vorstand, aber dort konnte man keine Lösung finden. Es blieb nur noch ein Weg, den Verein aufzulösen (wir berichteten). Paradox: Fast zehn Jahre lang hat sich Lyra kontinuierlich verbessert, zählt fast 250 Mitglieder und steht finanziell gut da. „Unsere Veranstaltungen waren in diesem Jahr bislang alle kostendeckend“, freut sich Rusch.

Der Auflösung des Vereins wollten die rund 30 anwesenden Mitglieder so einfach nicht folgen. „Ihr wart das Herz und die Seele des Vereins“, las Mitglied André Kahlke aus Itzehoe vor. Die Rede an Jens und Susanne Rusch hatte er am Nachmittag aufgeschrieben, um nichts zu vergessen. „Wir anderen haben übersehen, dass ein Verein aber auch Hände, Arme und Beine braucht“, so Kahlke. Er bat den Vorstand, den Antrag auf Auflösung zurückzunehmen. Auch ein weiteres Mitglied sagte, dass er nicht einfach einer Auflösung zustimmen kann ohne zu wissen, ob es nicht Alternativen geben könnte. Und Martina Marquardt, die in Kürze Lyra-Mitglied sein wird, erklärte sich sogleich bereit, auch Aufgaben zu übernehmen.

„Ich will nicht, dass ein Stück Kultur ausstirbt, deswegen will ich helfen“, sagt die junge Frau. Für den Fall gerüstet hatten sich der zweite Vorsitzende Dietrich Wienecke und Vereinsmitglied Dieter Wölfert, die ein Konzept erstellt hatten, wie die Lyra-Arbeit in Zukunft aussehen könnte. Das Modell, dass von Wölfert anschaulich dargestellt wurde, sieht einen fast komplett neuen Vorstand vor. Denn auch Schatzmeister und Schriftführerin können die Vereinsarbeit nicht mehr mit ihrem beruflichen Alltag vereinbaren und möchten kürzer treten.

Der zweite Vorsitzende Wienecke, der seine Arbeit fortsetzen will, schlug Dieter Wölfert als Vorsitzenden vor, der sich bereit erklärte. Aus den Reihen der Mitglieder meldeten sich Freiwillige für die beiden anderen Posten. Rusch soll als Beisitzer im Vorstand bleiben, damit er den Kontakt zu den Künstlern weiterhin pflegen kann und er übernimmt als Interimslösung das Entwerfen der Flyer. Alle anderen Aufgaben, die anfallen, konnten ebenfalls vergeben werden. Eine Mitgliederversammlung im Dezember soll den neuen Vorstand nun wählen und damit grünes Licht für die Fortsetzung des Vereins geben. Die Freude darüber stand dem Vorstand sichtlich ins Gesicht geschrieben.

„Der Schritt um die Auflösung zu bitten, fiel mir nicht leicht“, sagt Rusch. Alle haben viel Herzblut hineingesteckt, aber man könne auch darin ertrinken. Dass es nicht komplett gegen den Verein gehen würde, damit hatte Rusch aufgrund der zahlreichen Reaktionen zuvor gerechnet. Dass sich die Anwesenden aber so deutlich für den Erhalt aussprechen, hat ihn letztlich überrascht. Aber Jens Rusch ist vorsichtig, die Erfahrung hat ihm gezeigt, dass es häufig Lippenbekenntnisse gibt. „Es gab bereits vor zwei Jahren die Absicht Lyra anders zu gestalten, wenn auch nicht ganz so fundiert. Am Ende ist die Arbeit wieder an mir hängen geblieben“, erläutert Rusch. Das neue Konzept hält er für umsetzbar und ist guter Hoffnung, dass es diesmal klappen wird. „Es ist die Bewährungschance“.

Er lädt alle – also auch Nichtmitglieder – ein, sich bei Lyra zu engagieren. „Da draußen gibt es viele Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Wir würden uns freuen, wenn sie uns unterstützen würden.“ V Die Lyra-Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen findet am Montag, 5. Dezember, um 19 Uhr in der Galerie Rusch statt.


Ein neues Konzept: Dieter Wölfert (stehend) erläutert bei der Jahresversammlung, wie Lyra neu organisiert werden könnte nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorsitzenden und Vereins-Motors Jens Rusch (Mitte). Der zweite Vorsitzende Dietrich Wienecke (rechts) will seine Arbeit fortsetzen. Foto: Habib

Appell eines Lyra-Mitgliedes

Lieber Jens, liebe Suse,

Das Zeichen, dass Ihr gegeben habt, war eindeutig.

Als Sylvia und ich vor Jahren auf dieses „Lyra-Boot“ gekommen sind, haben wir gemerkt, dass dies mehr als nur ein Versuch ist Kultur zu vermitteln. Ihr beide habt dieses Schiff durch die Unwegsamkeiten der letzten Jahre gesteuert als, ich will mal sagen, Herz und Seele des Vereins. Und sicherlich haben wir Anderen vergessen, dass ein Verein aber auch Hände, Arme und Beine haben muss.

Ein Verein, der Bestand haben soll, kann nicht auf den Schultern von Einzelnen lasten. Die Alternative dazu kann aber auch nicht sein, einen solchen Energieknotenpunkt wie Lyra aufzulösen. Was Lyra ist, außerhalb der Vereinsstrukturen, weißt Du lieber Dschänz am Besten und der vergangene Freitag hat dies wohl überdeutlich gezeigt.

Ein seetüchtiges und bewehrtes Schiff versenkt man nicht!!!

Alternativen wurden in der letzten Zeit hier und da diskutiert:

-abgespecktes Programm
-Reduzierung auf das, was machbar ist,
-Verteilung der Lasten auf Andere.

Damit meine ich nicht die vage Frage, was könnte wer in Zukunft übernehmen, sondern den Beschluss eines verbindlichen Arbeitsplanes.

Der Verein Wattolümpiade hat auch Stück für Stück andere Strukturen bekommen; und Du hast mir selbst gesagt, wie stolz Du auf „Deine Jungs und Mädels vom Deich“ bist.

Deshalb bitte ich nicht diese Versammlung gegen die Auflösung zu stimmen, sondern ich bitte Dich lieber Jens Deinen Antrag auf Auflösung zurück zu ziehen, denn eines weiß ich: Ohne Lyra wird es in diesem Haus verdammt leise werden. Danke

Gehalten von André Kahlke vor der Abstimmung.

Jahreshauptversammlung 2011. Tagesordnungspunkt Vereinsauflösung

BZ / Stefan Schmid

Persönliches Statement des Vereinsvorsitzenden

Im Februar 2012 wird LYRA genau 10 Jahre alt, wir haben ca. 250 Mitglieder, die Interpretennachfrage ist groß, wir sind einigermaßen liquide und es wird Sie/Euch daher möglicherweise erstaunen, dass wir auf der letzten Vorstandssitzung darüber gesprochen haben, den Verein aufzulösen.

Die Randumstände haben sich im Laufe der Jahre außerordentlich erfreulich entwickelt, dazu gehörte viel Solidarität, vornehmlich von Seiten der Interpreten, aber auch der Mitglieder und gelegentlich auch ein wenig Unterstützung von Seiten einiger weniger Firmen. Dieses war besonders am Anfang bisweilen ein willkommener „Rettungsschirm“. Bei allen möchte ich mich deshalb herzlich bedanken, denn die Idee, neben dem großen Kultur-Zentrum Elbeforum einen zweiten Veranstaltungsort für Kultur abseits des „Mainstreams“ zu etablieren, erschien zunächst nicht jedermann/frau nachvollziehbar. Insofern war diese niveauvolle Entwicklung alles andere als vorhersehbar.


Vor zwei Jahren habe ich in der Jahreshauptversammlung bereits ausführlich darauf hingewiesen, dass die steigende Belastung durch zusätzlichen, organisatorischen Aufwand wie etwa die GEMA und die Abwicklungen mit der Künstlersozialkasse etc. meinen Atelierbetrieb immer stärker in Mitleidenschaft ziehen und wir eine deutlich entlastende Lösung finden müssen.


Verträge mit Interpreten oder deren Agenturen abzuschließen kann sehr nervig sein. Nicht immer, aber manchmal. Hotel, Transfer und Betreuung sind zeitgreifende Dinge, die sich im Hintergrund abspielen, Auf- und Abbau, Plakatdruck, Flyer-Gestaltung, Aushang, Verteilung, Pressearbeit – das nimmt der Besucher einer Veranstaltung kaum wahr. Aber uns belastet das inzwischen definitiv zu sehr.

Immer weniger eigene Bilder entstanden im Atelier und oft war ich bis Mittag mit Schreibarbeiten und Korrespondenz befasst. Das wurde am Ende für Suse und mich existenzbedrohend. Hier liegt also der Hauptgrund, zunächst für mein Nichtwiederkandidieren – und am Ende voraussichtlich in der Auflösung des guten Vereins. Das stimmt niemanden trauriger, als uns selbst – die Vereinsgeschichte wurde auch mit Herzblut geschrieben. Aber wie gesagt, es ist nicht mehr zu bewältigen.

Karin Will, Volker Strunck und Hauke Mormann sei an dieser Stelle im Namen aller Mitglieder gedankt, denn ihre Arbeit war auf jeden Fall hilfreich und entlastend. Kalli Balzers ständiger Rechtsbeistand verlieh uns Sicherheit auf unsicherem Terrain. Mehr als einmal war seine Stimme für den Vorstand ausschlaggebend. Auch allen übrigen Mitgliedern des Vorstandes, die im Laufe der Jahre solidarisch und hilfreich an meiner Seite standen sei sehr herzlich gedankt.

Unser Programm setzen wir satzungsgemäß noch bis zum Jahresende fort, es ist auf der Homepage (die ebenfalls Arbeit verursacht) nachzuschauen. Einen gedruckten Flyer wird es nicht mehr geben, lediglich für die wenigen Lyra-Mitglieder, die nicht über Internet verfügen, werden wir das Programm als PDF ausdrucken und zustellen..

Die Einladung zur Jahreshauptversammlung am Montag, den 10. Oktober ist den Lyra-Mitgliedern fristgerecht zugegangen. Zahlreiches Erscheinen war noch nie so wichtig, wie in diesem Jahr!