Rückblick Allan Taylor
Aus Lyra
Ganz sicher lag es am Singer/Songwriter Allan Taylor selbst, aber wohl auch daran, daß Musikfreunde in den Konzerten des kleinen, aber feinen Fördervereins Lyra e.V. inzwischen so etwas wie das "Kleinbonum der Musikszene" an der Westküste sehen. Das Vertrauen in die Programm-Qualität führte nicht nur beim Allan Taylor-Konzert zu Reservierungen aus Flensburg und Dänemark. Auch zum anstehenden Pierre Bensusan-Konzert liegen bereits Kartenwünsche aus dem nordischen Nachbarland vor. Das durfte Jens Rusch bei seiner Begrüßung mit berechtigtem Stolz anmerken.
Kommentare aus dem Publikum: "Es tut richtig gut, daß es hier Leute gibt, die sich wie ich auch für literarische Inhalte in den tollen Songs interessieren", oder :" Ich hätte nicht gedacht, daß man sich hier in Norddeutschland für die Poesie der Beat-Generation interessiert". Und genau das bekamen sie dann von Allan Taylor geboten, begleitet von minutiösem Fingerwerk, exzellentem Picking und tonverliebten Slides mit der Bottleneck aus Glas. Er führte mit gutverständlichen Kommentaren in englischer Sprache in die Entstehunggeschichte einiger Lieder ein. In die Road-Poems Jack Kerouacs und Allan Ginsbergs etwa oder in das revolutionär verklärte Kubas, wo die Bevölkerung sehnsuchtsvoll "Songs about Fidel and Che" singt. Währenddessen kaufen sich amerikanische Touristen allerdings bereits für einen einzigen grünen Schein einen Tank voll Benzin oder eine Frau.
Neben aller Poesie illustriert Allan Taylor mit warmer Stimme durchaus auch kalte Realität, wenngleich ihm die Flucht in die Troubadour-Romantik hörbar die bevorzugte Blickrichtung zu sein scheint. "Minstrel in the Gallery" titulierte einer der Besucher versunken beim Verlassen der Galerie Rusch und stolperte in die unbeleuchtete Baustelle, die seit Monaten den Besuch der Galerie erschwert.
