Ralph Giordano

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Ralph Giordano

Er las bei Lyra am 16.02.2005

Ralph Giordano wurde als Sohn eines Pianisten und einer jüdischen Klavierlehrerin in Hamburg-Barmbek geboren. Sein Großvater väterlicherseits war als junger Mann von Sizilien nach Deutschland gekommen. 1940, noch vor Abschluss seiner Abiturzeit, musste der Siebzehnjährige aufgrund der Nürnberger Gesetze das renommierte humanistische Gymnasium „Johanneum“ verlassen. Zusammen mit seiner Familie war er zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. Dreimal verhörte die Gestapo den jugendlichen Giordano, misshandelte ihn und sperrte ihn ein. Giordano selbst, seine beiden Brüder und die Eltern konnten bis zur Befreiung durch die Briten am 4. Mai 1945 in einem Keller in Hamburg-Alsterdorf überleben, in dem sie sich über mehrere Monate verstecken mussten, als die Deportation der Mutter drohte.

In seiner Autobiographie schreibt er:

„Die Befreiung von der Angst vor dem jederzeit möglichen Gewalttod, weil ich eine jüdische Mutter hatte, war, ist und wird das Schlüsselerlebnis meines Daseins bleiben.“

In einem Kapitel des Buchs Neger, Neger, Schornsteinfeger! von Hans-Jürgen Massaquoi wird die enge Freundschaft beschrieben, die zwischen Giordano, seiner Familie und Massaquoi bestand. Giordano und sein Bruder Egon kannten Massaquoi aus dem Hamburger Swing-Café König. Als Giordano während seiner Untergrund-Zeit Massaquoi zufällig auf der Straße traf, wusste er, dass er dem dunkelhäutigen Afrodeutschen trauen und ihn in sein Versteck mitnehmen konnte, wo er ihn seiner Familie vorstellte, die dort in einem Kellerverlies lebte. Diese Begebenheit wird mit veränderten Namen auch in Giordanos Buch Die Bertinis beschrieben.