Ulli Bögershausen

Aus LYRA
Wechseln zu: Navigation, Suche
Konzert in der Galerie Rusch 2010
Hg ger normal 14.jpg


Siehe auch: Gitarrenworkshop mit Ulli Bögershausen


Rückblick Konzert 2010

Videos


Ulli Boegershausen: Mad World ( Cover )

Ulli Boegershausen plays Mad World composed by Roland Orzabal / Tears for Fears. This covers refers to the Michael Andrews, Gary Jules version of the song. Sky filmed by Olaf Merker


Ulli Bögershausen: Don't Let Me Be Misunderstood (Cover)


Ulli Boegershausen Secret Story (full version)

  • Tuning: DADGAD


Ulli Bögershausen: Percussive Groove


Ulli Bögershausen (* 1954) ist ein deutscher Sologitarrist und Gitarrenlehrer. Er ist durch Tourneen durch Japan, die USA und Taiwan 1995 auch international bekannt geworden und verfasste mehrere Lehrbücher für Gitarre.

Bögershausen begann im Alter von 9 Jahren mit dem Gitarrespiel. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn an der Mosel in der Nähe Trier, wo er auch eine Gitarrenschule betreibt.

Ulli Bögershausen bevorzugt die Stahlsaitengitarre, deren schärfere Tontrennung komplizierten Melodieläufen mit Rhythmusfiguren eine größere Transparenz verleiht. Den lang ausklingenden, singenden Ton des Instruments nutzt er gern als kompositorisches Element.

Interview

Interview von Andreas Schulz / "Akustik-Gitarre"

Profiliert Ulli Bögershausen

Ulli Bögershausen wirkt zufrieden und entspannt. Dazu hat er auch allen Grund. Er ist gefragt, seine Musik ist erfolgreich, und ein neues Album mit dem Titel "Sologuitar" gibt es ebenfalls. Zeit für eine persönliche Bestandsaufnahme. Hier ist sie.

Da kam doch 1995 ein deutscher Akustikgitarrist daher, setzte sich in sein Studio und spielte unter dem plakativen Titel "Ageless Guitar Solos" neben drei Eigenkompositionen die seiner Meinung nach bekanntesten und wichtigsten Fingerstyle-Stücke der letzten 20 Jahre neu ein. Vertreten war Musik von Leuten wie Alex De Grassi, Leo Kottke, Klaus Weiland, Werner Lämmerhirt oder Davy Graham. Ein wohl nicht ganz einfaches Unterfangen, doch das Repertoire war ansprechend, die musikalische Ausführung makellos. So wurde "Ageless" zu Bögershausens bisher größtem Erfolg und erhöhte sein Bekanntheitslevel schlagartig. Nun legt der Mittvierziger nach: In gleicher Klangästhetik ist sein Album "Sologuitar" erschienen, diesmal allerdings ausschließlich mit eigenen Titeln. Kommerzielles Kalkül, um an den fünf Jahre zurückliegenden Erfolg anzuknüpfen? Auch solch unangenehmen Fragen begegnet Ulli Bögershausen mit erfrischender Offenheit. Der Bielefelder Musiker ist nicht nur solistisch aktiv, sondern auch im Duo mit dem Nylonstringer Reinhold Westerheide und als Autor von Unterrichtswerken für akustische Gitarre. Zwischenzeitlich betrieb er mit Laika Records sogar ein eigenes Label, aus dem er sich aber vor zwei Jahren wegen des vermehrten zeitlichen Anforderungen des aktiven Musizierens zurückgezogen hat.

Wie bist du Gitarrist geworden?

Ulli Bögershausen: Automatisch. Man kann versuchen, dagegen zu arbeiten, in einem Fall war es meiner Kontrolle entzogen. Mit neun Jahren kam ich in Kontakt mit der Gitarre, in der Zeit der "Beatles" und der "Rolling Stones". Mich hat nie ein anderes Instrument interessiert. Die Single "Love Me Do" war das Schlüsselerlebnis! Ich hörte es und wollte solche Musik machen. Ich habe meine erste Gitarre mit Abziehbildern der "Beatles" beklebt und musste Fernando Sor nach Noten üben. Damals gab es niemanden, der einem Popmusik beibringen konnte. Also habe ich mehrere Jahre eine klassische Ausbildung durchgezogen.

Wie bist du in die Fingerpicking-Szene gekommen?

Ulli Bögershausen: Dafür ist Leo Kottke verantwortlich. 1973 hörte ich seine Musik auf der 12-Saitigen im Radio. Das war so überwältigend, dass ich sofort losgezogen bin und mir die Platte gekauft habe. Heute ist es nicht sehr schwer, sich zu informieren und voranzuarbeiten - es gibt Bücher, Videos und Magazine. Damals gab es nichts. Ich versuchte, annähernd so etwas wie Kottke hinzubekommen, mit dem Bottleneck auf der Twelve-String. Schnell war klar, dass das nicht in der Normalstimmung funktioniert. Als ich erst einmal in diese Welt eingetaucht war, habe ich auch Leute wie De Grassi für mich entdeckt. Einige Jahre später begann ich, mit meinem eigenen Programm in den Berliner Clubs aufzutreten.

Lakewood.jpg

Du hast dann später auch ganz offiziell Musik studiert.

Ulli Bögershausen: Ja, aber ohne Abschluss. Das Problem war: Ich hatte schon meine ersten Platten veröffentlicht, bekam plötzlich wieder klassischen Unterricht und musste alles wieder vergessen, was ich selbst entwickelt hatte. Das klassische Repertoire hat sicher meiner Technik und meinem Ton gut getan. Da konnte ich feststellen, dass die Klassiker den meisten Fingerstyle-Gitarristen in diesem Punkt weit überlegen sind. Nicht, was die Geschwindigkeit angeht, sondern die Ästhetik, die Schönheit des Anschlags, den Versuch, die Saite nicht irgendwie, sondern optimal klingen zu lassen. Als ich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre viel auf Tour war und regelmäßig Platten veröffentlichte, verlor ich mehr und mehr die Lust am Studieren.

Einiges von deinen neueren CDs könnte man sich auch gut auf der Nylonstring vorstellen. Warum bleibst du konsequent und ausschließlich bei der Steelstring?

Ulli Bögershausen: Ich mag vor allem das Sustain der Stahlsaiten. Es mag auch mit dem Duo mit Reinhold Westerheide zusammenhängen, wo die Aufgabenverteilung ganz klar ist: er spielt Nylonsaiten, ich Stahlsaiten. Da merkt man, dass man zum Spezialisten wird. Ich könnte nicht so mit der Klassikgitarre umgehen wie er.

Deine Steelstrings kommen von dem deutschen Hersteller Lakewood.

Ulli Bögershausen: Ich kenne Martin Seeliger und seine Lakewood-Gitarren schon lange. Mein Lieblingsinstrument war lange eine Washburn, von der es nur zwei Exemplare gibt. Jahre später kam Martin mit einer D-54, die so toll klang, dass die Washburn des Öfteren in der Ecke stehen blieb. Unsere Zusammenarbeit hat sich dann intensiviert, ich hatte einige Änderungswünsche und wollte noch ein Cutaway-Modell. Das ist heute meine Hauptgitarre. Ich mache Werbung für Lakewood, weil ich die Instrumente wirklich schätze und spiele.

Was genau ist dein Soundideal? Was schätzt du speziell an dieser Gitarre?

Ulli Bögershausen: Die D-54 hat ein sehr gutes Sustain, einen etwas glockigen Klang und sehr brillante Höhen. Ich mag für manche Titel auch eine Martin-Gitarre mit satten Bässen, das gebe ich offen zu. Da meine Stücke sehr auf Melodie angelegt sind, kommt mir die Lakewood sehr entgegen. Für einen Gitarristen, der eher rhythmisch orientiert ist und basslastig spielt, ist sie vielleicht nicht so interessant.

Deine Erfahrungen mit der Aufnahme von akustischen Gitarren sind umfassend. Was ist dein Rezept, welche Tipps kannst du den Lesern geben?

Ulli Bögershausen: Das Wichtigste fürs Aufnehmen ist ein gutes Instrument, das Zweitwichtigste ist ein guter Ton. Das möchte ich erwähnen, weil man auch mit relativ schlechtem Equipment gute Aufnahmen machen kann, wenn man entsprechend spielt. Ich selbst benutze zwei Mikrofone der Firma Neumann. Ein erfahrener Toningenieur hat mir einen Raum eingerichtet, der sehr trocken klingt, der Hall wird erst beim Überspielen auf CD ergänzt. Die Mikrofone stehen so, dass eines ein höhenlastiges Bild einfängt, das andere die Bässe. Und sie sind sehr nah an der Gitarre dran, nur etwa eine Handbreit entfernt. Ich nehme direkt digital auf einen DAT-Recorder auf und überspiele das in meinen Power-Mac mit einer DigiDesign AudioMedia-II-Soundkarte und dem Sound-Designer-Programm. So kann ich auch schneiden. Das ist wichtig, weil es mich enorm entlastet. Es ist einfacher, drei Versionen aufzunehmen und daraus eine gute zusammenzuschneiden, als es hundertmal zu spielen, bis es einmal wirklich fehlerfrei ist, dafür aber vielleicht nicht so gefühlvoll. Auf meinen CDs sind von vielleicht zehn Titeln zwei dabei, bei denen es mir gelungen ist, sie am Stück zu spielen. Für unhörbare Schnitte brauchst du viel Erfahrung, aber ich denke, dass es mir bei der neuen CD gelungen ist. Manchmal mache ich eine Aufnahme-Regie und nehme das Stück in mehreren Etappen auf, so dass ich auf jeden Fall schneiden kann. Das ist nicht einfach, denn du musst ein Stück im gleichen Sound, in der gleichen Haltung und im gleichen Tempo wieder ansetzen können. Die Kunst besteht in der Disziplin, den Ablauf einer solchen Aufnahme genau zu planen. So bekommt man sehr saubere Aufnahmen, die trotzdem gefühlvoll sind. Da ich zu Hause arbeite, kann ich in genau der Stimmung aufnehmen, in der ich für ein bestimmtes Stück sein möchte. Ich kann den ganzen Tag üben und mir ein Konzept für die Aufnahme zurechtlegen. Die Ansprüche steigen permanent, seit immer mehr Leute immer besseres Equipment zur Verfügung haben. Auch das Publikum wird immer anspruchsvoller, was die klangliche und musikalische Qualität von Gitarrenaufnahmen angeht.

Wie verstärkst du die Gitarre live?

Ulli Bögershausen: In meine Lakewood-Gitarren ist ein EMF B-Band-Tonabnehmer fest eingebaut. Dabei handelt es sich um ein Zweiwege-System mit einem Mikrofon und einem Stegtonabnehmer. Mit dieser Mischung gehe ich in einen AER Acousticube II.

Wie würdest du den "Bögershausen-Stil" definieren?

Ulli Bögershausen: Ich denke, jeder Künstler wird sich nach einigen Jahren fragen: Was ist Spieltechnik, und was ist Musik? Was habe ich an musikalischer Aussage anzubieten? Es reicht nicht, nur sein Handwerk zu verstehen. Die Frage ist: Transportiert die Musik etwas, das die Zuhörer berührt? Ich würde mir einbilden, dass bei meiner Musik herauszuhören ist, dass ich ein gewisses Gefühl transportieren kann. Ein wenig melancholisch und warmherzig. Besonders schön ist es, wenn mir Melodien gelingen, die eingängig sind. Ich denke, ich habe einige Stücke geschrieben, die einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Heißt das, du möchtest nicht über die Spieltechnik wahrgenommen werden, sondern über die Interpretation?

Ulli Bögershausen: Nicht isoliert über die Spieltechnik. Für mich ist es schon ein riesiges Kompliment, wenn mein Ton und die Ästhetik meines Spiels gelobt werden. Genau daran arbeite ich seit Jahren. Viele urteilen nur darüber, wie schnell die Töne hintereinander gesetzt sind. Auch das ist wichtig. Man muss auch virtuos spielen können, aber das ist nicht alles.

Würdest du zustimmen, wenn ich sage, dass deine Musik sehr auf Schönklang angelegt ist?

Ulli Bögershausen: Damit kann ich wunderbar leben.

Wo sind die Ecken und Kanten?

Ulli Bögershausen: Ich habe das so oft versucht, gerade auch im Bereich Harmonielehre. Es passt nicht in meine Musik. Mit dem Wort "Schönklang" hast du das sehr gut beschrieben. Es ärgert mich nur, wenn jemand das ins Negative ziehen möchte. Es ist in sich geschlossen und legitim, schöne Musik zu spielen. Kürzlich fragte mich ein Radiomoderator, ob in meiner Musik nicht auch Aggressionen eine Rolle spielen. Nun, jeder Mensch hat Aggressionen. Aber ich setze mich dann nicht an mein Instrument. In der Rockmusik kannst du eher solche Emotionen transportieren als mit der Akustikgitarre. Ist "musikalisches Harmoniebedürfnis" etwas grundsätzlich Negatives? Aber ich kenne diese Einwände und habe mich jahrelang damit auseinander gesetzt. Meine Platten sind bewusst so angelegt. Um es plakativ zu sagen: Sie müssen dir auch gefallen, wenn du dich mit einem guten Buch und einer feinen Flasche Rotwein hinsetzt und dabei Musik hören möchtest. Auch dafür soll es Musik geben, ohne dass diese seicht sein muss. Musik, die einen in einer solchen Stimmung umfängt und hält. Die CD "Ageless Guitar Solos" wurde beispielsweise ganz bewusst so aufgenommen. In die gleiche Richtung geht auch die letzte CD "Sologuitar", mit dem Unterschied, dass darauf nur eigene Stücke zu hören sind. Wer etwas "Wilderes" hören möchte, kann sich die Duos mit Reinhold Westerheide anhören. Ich kann mich damit voll identifizieren. Das hat natürlich einen Beigeschmack, als hätte ich einen riesigen kommerziellen Erfolg im Sinn. Dann hätte ich mich allerdings in einen anderen musikalischen Sektor begeben sollen.

Ende der 80er Jahre hattest du mit "Laika" ein eigenes Label und einen Musikverlag gegründet, den du inzwischen wieder verkauft hast.

Ulli Bögershausen: Aufgebaut habe ich das Label, weil es mir in der Szene, in der ich mich damals bewegt habe, zu eng wurde. Ich fing an, mich für Jazz zu interessieren, und es wurde zunehmend schwieriger, mit Gitarrenmusik wirtschaftlich zu existieren. Also habe ich mir ein zweites Standbein gesucht. Es war eine spannende Erfahrung, Jazz-CDs zu produzieren. Vor etwa zwei Jahren spürte ich eine Veränderung der Situation. Besonders hilfreich war der Erfolg von "Ageless Guitar Solos". Das war das richtige Konzept zum richtigen Zeitpunkt. Es war tatsächlich ein Konzeptalbum. Ich wusste, dass ich über das Repertoire dieser CD mehr erreichen konnte als über meinen eigenen Namen, der zu diesem Zeitpunkt noch viel zu unbekannt war. Es lief so gut, dass ich mich entscheiden musste, Gitarrist oder weiterhin Geschäftsmann mit einem Label zu sein. Beides ging wegen der zeitlichen Anforderung nicht, zumal ich für das Projekt mit Reinhold Westerheide intensiv üben musste.

Wie siehst du heute die deutsche Gitarrenszene und die ökonomische Situation?

Ulli Bögershausen: Für mich persönlich hat sich eine Menge zum Positiven verändert. Auch die gesamte Szene hat sich verändert. Dazu trägt übrigens auch die Zeitschrift AKUSTIK GITARRE bei, die zu einem Kristallisationspunkt geworden ist. Es gab plötzlich eine Anlaufstelle. Jeder, der sich für diese Musik interessiert, hat nun ein Medium, eine Möglichkeit, sich umfassend zu informieren.. Das hat der Szene enorm geholfen. Die grundsätzliche Problematik, zum Beispiel dass es kaum öffentliche Gelder für Veranstaltungen gibt, hat sich kaum entwickelt.

Dein neuestes Projekt ist eine Serie von Lehrbüchern für Akustikgitarre. Was ist dein Konzept, welchen Ansatz verfolgst du?

Ulli Bögershausen: Ich habe manchmal in meiner Stilrichtung Unterricht gegeben und die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler unter schlechten Lehrern und schlechtem Unterrichtsmaterial zu leiden hatten. Ich bemühe mich, das Gitarrespielen so zu vermitteln, dass man von Anfang an die Klangfülle der Gitarre nutzen kann. Mein Ansatz ist es, erst einmal das Instrument klingen zu lassen. Für meine Schüler habe ich für bestimmte Probleme spontan kleine Stücke geschrieben. Anfangs war das nicht systematisch. Ich hatte Berge von Zetteln, die irgendwann geordnet werden wollten. Die Praxis steht dabei im Vordergrund, also die Gitarre als Harmonie-Instrument, viele Saiten klingen gleichzeitig. Die Reaktionen waren durchweg begeistert. Ich treffe immer wieder auf Leute, die mir erzählen, wie sehr ihnen mein Konzept weitergeholfen hat. Wer dieses didaktische Konzept verfolgt, kann in relativ kurzer Zeit die einzelnen technischen Elemente erlernen und sich dann direkt an die ersten Stücke wagen. In umgekehrter Reihenfolge ist es kritisch: ein Stück anfangen, die ersten acht Take gehen gut, dann kommt eine schwierige Passage, und das Buch landet wieder in der Ecke. Ich habe die einzelnen Elemente, die man für die angesagten Stücke braucht, isoliert vorgestellt. Ich denke, diese Übungen können das allgemeine Wissen der Fingerstyle-Gitarristen auf ein höheres Level heben. Man muss nicht erst die komplette Harmonielehre abarbeiten, das ist für Fingerstyle-Gitarristen nicht unbedingt relevant.

Kannst du die Technik deiner rechten Hand erläutern? Es fällt auf, dass du die Melodien besonders deutlich herausarbeitest.

Ulli Bögershausen: Technisch habe ich das gelernt, als ich klassische Gitarre studierte. So spielen Klassiker, sie trennen Bass, Begleitstimme und Melodie. Die wesentlichen Grundstellungen sind die Zupfanschlagstellung und das Wechselschlagspiel. Die meisten Fingerstyle-Gitarristen, die ich kenne, haben eher eine theorielose Praxis und können nicht erklären, warum sie etwas auf eine bestimmte Art spielen. Ich habe klassische Techniken ins Fingerpicking integriert. Typische Patterns habe ich natürlich auch geübt, doch mich hat immer gestört, nur aus diesen Patterns heraus zu spielen. Ich wollte wissen, wie ich eine bestimmte Melodie auf die beste Weise spielen kann und nicht nur, wie sie in einem Pattern zufällig zu liegen kommt.

Du spielt mit den Fingernägeln und einem Daumenpick.

Ulli Bögershausen: Genau, aus rein klanglichen Gründen. Der Daumenpick dient hauptsächlich dazu, ähnlich wie Werner Lämmerhirt einen swingenden Groove zu bekommen. Dabei liegt meine rechte Hand leicht am Steg an und dämpft die Basssaiten etwas ab. Diesen perkussiven Sound mag ich gern, er ist rhythmisch sehr treibend.

Welche Tunings verwendest du?

Ulli Bögershausen: Die Standardstimmung und D-A-D-G-A-D sind in meinem Repertoire sicher die wichtigsten Tunings. Daneben spiele ich manchmal Dropped-D mit Kapodaster im vierten Bund, wo die Gitarre am zärtlichsten klingt. Es ist kaum möglich, sich in allen Stimmungen auszukennen. Beim Konzert ist das noch tragbar, vor allem, wenn zu einem bestimmten Stück eine bestimmte Stimmung gehört. Beim Komponieren kenne ich mich in der Standardstimmung am besten aus, in D-A-D-G-A-D immer noch recht gut. In anderen speziellen Stimmungen fehlt mir das Vorstellungsvermögen. Was dann herauskommt, ist ein reines Zufallsprodukt, ein Stück, komplett einstudiert und fertig. Ich bin dann blind, wenn ich in einem solchen Tuning etwas anderes spielen soll. In Open Tunings spielt man natürlich in ganz bestimmten Tonarten. Niemand würde D-A-D-G-A-D verwenden, um ein Stück in C zu schreiben. In D-A-D-G-A-D spielst du die D-Tonarten, kannst aber sehr gut zwischen Dur, Moll oder dem dorischen Modus wechseln.

Was würdest du jemandem empfehlen, der seine Gitarre in D-A-D-G-A-D stimmt und einfach loslegen möchte?

Ulli Bögershausen: Ich würde mit den Grundkadenzen anfangen, die sich in D-A-D-G-A-D sehr leicht ausdrücken lassen. Die Leersaiten bilden schon einen Dsus4-Akkord. Dann ist die Möglichkeit besonders reizvoll, Melodien unter Einbeziehung von Leersaiten zu spielen. Du kannst zum Beispiel ein so genanntes "Harfen-Arpeggio" spielen, eine Tonleiter ohne Wechselanschlag. Du hast nur einen Ton pro Saite, kannst sehr schnell spielen, und die Töne überlappen sich und sorgen so für einen sehr vollen tragenden Klang.

Deine letzte CD "Sologuitar" knüpft an das Konzept der erfolgreichen "Ageless Guitar Solos" an.

Ulli Bögershausen: Die Idee war, eine CD in diesem Stil zu machen, allerdings mit Musik von mir selbst. Jeder Musiker möchte ja insgeheim für seine eigene Musik geliebt werden. "Ageless Guitar Solos" sollte sich über das Repertoire verkaufen. Die Leute, denen das Album gefällt, sind jetzt vielleicht auch bereit, sich für meine eigene Musik zu interessieren.

Wichtigste Konzerte

  • Internationales Tanz- und Folkfestival Rudolstadt 1997
  • Gitarrenfestival Wiesloch 1997
  • Open Strings Festival Osnabrück 1997 und 1999
  • Alte Oper Frankfurt 1986, 1988, 1991
  • Gitarrenfestival Nashville 2000
  • Convention Center Los Angeles 2000
  • Folkalliance Cleveland 2000
  • Central Station Music Hall Taipeh 2002
  • Japan Tourneen 2000 und 2002
  • Taiwan Tourneen 2001 und 2002.

Diskographie

  • 1981 "ganz bestimmt vielleicht"
  • 1983 "Im Zwielicht"
  • 1984 "gegen die Zeit"
  • 1986 "autogen"
  • 1988 "Live" mit Mohammad Tahmassebi
  • 1991 "April" mit Reinhold Westerheide
  • 1993 "Best of..."
  • 1995 "ageless guitar solos"
  • 1998 "Pictures" mit Reinhold Westerheide
  • 1999 "Sologuitar" 15 Solostücke
  • 2000 Personal Favourites – Super Audio CD, nur in Asien erhältlich
  • 2002 Private Stories
  • 2002 Christmas Carols
  • 2004 Chocolate and Wine
  • 2006 Ballads
  • 2007 Vinyl
  • 2008 Crimson

Bücher

  • Profipicking leichtgemacht (mit CD)
  • Fingerstyleguitar leichtgemacht (mit CD)
  • Open Tunings leichtgemacht (mit CD)
  • D-Dur Tuning, "Das Loch in der Banane", DADGAD Tuning.
  • Von Anfang an, Gitarrenschule in 2 Bänden (jeweils mit CD)
  • Ageless Guitar Solos (Noten und Tabulaturen zur gleichnamigen CD)
  • Mein DADGAD Sound (Eine Einführung in das Open Tuning DADGAD)
  • Easy Fingerstyle (mit CD)
  • Easy Fingerstyle 2 (mit CD)

Weblinks