Walter Kempowski
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Lesung am 2. 10. 2004
Auch hier gestaltete sich ein Stückchen deutscher Literaturgeschichte im Lyra-Rahmen. Eine zweite Lesung war für 2007 bereits terminiert, als Walter Kempowski seinen Krebstod bereits vor Augen hatte: "Herr Rusch, die haben mich ausgeweidet".....
Walter Kempowski
Quelle: Wikipedia Walter Kempowski (* 29. April 1929 in Rostock; † 5. Oktober 2007 in Rotenburg (Wümme)) war ein deutscher Schriftsteller. Er wurde vor allem durch seine stark autobiografisch geprägten Romane der Deutschen Chronik bekannt sowie durch sein Projekt Das Echolot, in dem er Tagebücher, Briefe und andere Alltagszeugnisse unterschiedlicher Herkunft zu collagenartigen Zeitgemälden verarbeitete. Kempowski gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Projekte
Wesentlich und charakteristisch für Kempowskis Arbeit war die Hinwendung zu umfangreichen Großprojekten, die „Fleißarbeit“ über viele Jahre erforderten. So vermutete er schon in seinem Tagebuch (wie wir nun wissen, irrtümlicherweise), dass die Arbeit am „Echolot“ ihn wohl bis zum Lebensende beschäftigen werde.
Zuletzt arbeitete er am großen Projekt „Ortslinien“, das vorsieht, Fotos, Texte, Tondokumente, Filme und Gemälde aus dem Zeitraum 1850 bis 2000 zu einem Gesamtkunstwerk zu bündeln, bis schließlich jeder Tag durch ein Kunstprodukt repräsentiert wird. Kempowski selbst ging davon aus, dass eine Crew über seinen Tod hinaus mit dem Großwerk beschäftigt sein werde.
Das Projekt „Plankton“ sollte an die Befragungsbücher der „Deutschen Chronik“ anschließen, dafür hatte er seit den sechziger Jahren Aussagen gesammelt. Seit 2003 schrieb Kempowski an einem Gedichtzyklus über seine Haftzeit.
Krankheit
Im Oktober 2006 wurde bei Kempowski Darmkrebs diagnostiziert. Dessen ungeachtet versuchte er, seine schriftstellerische Tätigkeit fortzusetzen. Er arbeitete an einem Tagebuch über das Jahr 1991, als der Zweite Golfkrieg stattfand. Im März 2007 las er in seinem Haus vor rund 70 Personen aus seinem Roman „Alles umsonst“. In seinen letzten Lebensmonaten widerfuhr ihm die letzte, lang vermisste Genugtuung einer beständigen Aufmerksamkeit durch die Massenmedien. Eine Ausstellung zu seinem Lebenswerk in der Berliner Akademie der Künste vom 20. Mai bis 15. Juli 2007 trug mit zu diesem spät erwachten Interesse bei. Noch im September 2007 erschuf der Berliner Bildhauer Bertrand Freiesleben eine Portraitbüste von Kempowski. Es ist das letzte Portrait von Walter Kempowski. Am 5. Oktober 2007 verstarb der Schriftsteller im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg. Zuvor gab er noch ein letztes Interview.
Stimmen über Kempowski
„Wenn die Welt noch Augen hat, zu sehen, wird sie, um es in einem Wort zu sagen, in „Echolot“ eine der größten Leistungen der Literatur unseres Jahrhunderts erblicken. Wenn sie im Begriff sein wird, ihr Gedächtnis und ihre Geschichte endgültig zu verlieren, wird sie sich auf dieses Werk besinnen und damit wieder Gerechtigkeit herstellen können. Denn keine Klasse der heutigen Gesellschaft, so hat ein Historiker geschrieben, unterdrücken wir so rücksichtslos wie die Toten. „Morgen“, so hat er hinzugefügt, „sind wir die Toten, dann sind unsere Zukunftsträume nichts weiter als alte Geschichten.“ “ – Frank Schirrmacher, 13. November 1993
„In unseren mal abstoßend rührseligen, mal panisch verbissenen Zeiten haben wir ihn bitter nötig – als lebenden Vorwurf gewissermaßen, der uns unablässig sagt, dass wir uns doch einfach zusammenreißen und unsere Arbeit tun sollen, wie sein Vater ihm in seinen Romanen manchmal erscheint: mit Monokel und skeptischem, aber irgendwie auch gütigem Ausdruck. Was wir brauchen, ist eine Entideologisierung, eine Entpathetisierung unseres Denkens, Redens und Schreibens, und zwar in jeder Hinsicht.“ – Edo Reents, 6. Juni 2007
Werke
- Deutsche Chronik I. Aus großer Zeit. 1978
- Deutsche Chronik II. Schöne Aussicht. 1981
- Deutsche Chronik III. Haben Sie Hitler gesehen? 1973
- Deutsche Chronik IV. Tadellöser & Wolff. 1971
- Deutsche Chronik V. Uns geht's ja noch gold. 1972
- Deutsche Chronik VI. Haben Sie davon gewußt? 1979
- Deutsche Chronik VII. Ein Kapitel für sich. 1975
- Deutsche Chronik VIII. Schule (Immer so durchgemogelt. Erinnerungen an unsere Schulzeit). 1974
- Deutsche Chronik IX. Herzlich willkommen. 1984
- Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch Januar und Februar 1943. 4 Bde. Albrecht Knaus, München 1993.
- Das Echolot. Fuga furiosa. Ein kollektives Tagebuch Winter 1945. 4 Bde. Albrecht Knaus, München 1999.
- Das Echolot. Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch. Albrecht Knaus, München 2002
- Das Echolot. Abgesang '45. Ein kollektives Tagebuch. Albrecht Knaus, München 2005
- Culpa. Notizen zum Echolot. Albrecht Knaus, München 2005
- Im Block. Ein Haftbericht, 1969
- Träumereien am elektrischen Kamin. (Hörspiel), 1971
- Ausgeschlossen (Hörspiel). 1972
- Haben Sie Hitler gesehen? (Hörspiel) 1973
- Der Hahn im Nacken. Mini-Geschichten. 1973
- Walter Kempowskis Harzreise erläutert. 1974
- Beethovens Fünfte. (Hörspiel) 1975
- Alle unter einem Hut. 1976
- Wer will unter die Soldaten. 1976
- Unser Herr Böckelmann. 1979
- Moin Vaddr läbt. (Hörspiel), 1980
- Kempowskis einfache Fibel. 1980
- Führungen – ein deutsches Denkmal. (Hörspiel), 1982
- Herrn Böckelmanns schönste Tafelgeschichten. 1983
- Alles umsonst. (Hörspiel), 1984
- Haumiblau. 208 Pfenniggeschichten für Kinder 1986.
- Hundstage. 1988
- Ein Knie geht einsam durch die Welt. (als Herausgeber), 1989
- Sirius. Eine Art Tagebuch. 1990
- In Rostock. 1990
- Mark und Bein. Eine Episode. 1992
- Mein Rostock. 1994
- Der arme König von Opplawur. Ein Märchen. 1994
- Weltschmerz. Kinderszenen fast zu ernst. 1995
- Der Krieg geht zu Ende. Chronik für Stimmen. (Hörspiel, 9 Std.), 1995
- Bloomsday '97. 1997
- Heile Welt. 1998
- Der rote Hahn. Dresden 1945. btb, München 2001.
- Alkor. Tagebuch 1989, 2001
- Letzte Grüße. 2003
- Das 1. Album. 1981 - 1986 2004.
- Hamit. Tagebuch 1990. Albrecht Knaus, München 2006
- Alles umsonst. 2006.
- Somnia. Tagebuch 1991. Albrecht Knaus, München 2008.
- Langmut. Gedichte. Albrecht Knaus, München 2009.
Weblinks
- Offizielle Seite Walter Kempowskis
- Kempowski-Gesellschaft e.V.
- Kempowski-Archiv in Rostock
- www.kempowski.info – Kempowski beim Knaus Verlag]
- Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft Universität Bielefeld
- ub.fu-berlin.de Kommentierte Linksammlung der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
- Eintrag im Catalogus Professorum Rostochiensium
- Who is Who (deutsch)
- Artikel und Interviews
- „Im Auge des Zyklons“ – Ein Hausbesuch bei dem deutschen Chronisten Walter Kempowski, Die Welt, 2. September 2006.
- „Walter Kempowski: Der Mensch (Grass) muß uns doch für verrückt halten!“ FAZ, Interview (gekürzt) vom 22. September 2006.
- „Ein Denkmal wird besichtigt“ – „Lesung mit Nahrungspumpe“, Die Welt, 5. April 2007
- „Ich bin vergiftet worden“ / Walter Kempowski ist tot, Frankfurter Rundschau, Interview vom 4. August 2007, unter neuem Titel am 6. Oktober 2007.
- „Reiches, Schönes, Grauenhaftes“, Die Weltwoche, Nr. 30, 2007, Interview
- „Wenn es aus ist, ist es aus - Ein letztes Gespräch mit Walter Kempowski“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung - 7. Oktober 2007
- Nachrufe
- „Er war größer als Grass“, Bild-Zeitung, 6. Oktober 2007, von Hellmuth Karasek
- „Das Echolot der Deutschen“, die tageszeitung, 6. Oktober 2007, von Gerhard Henschel
- „Walter Kempowski: Der Geschichtstaucher“, Tagesspiegel, 6. Oktober 2007, mit Fotostrecke
- Kempowski-Ausstellung in der Akademie der Künste
- www.adk.de/kempowski – Kempowski-Ausstellung in der AdK Berlin - 20. Mai bis 15. Juli 2007
- „Blätter eines Menschensammlers“, Frankfurter Rundschau, 18. Mai 2007, von Harry Nutt
- „Köhler würdigt Kempowski als Volksdichter“, Spiegel online, 19. Mai 2007
- „Die Spuren eines Sammlers“, Die Welt, 19. Mai 2007, von Eckhard Fuhr

